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MV Neuhochstein-Schönberg ehrt Musiker/innen

Der Musikverein Neuhochstein-Schönberg hatte im letzten Jahr zwei Musiker für 50 Jahre aktives Musizieren auszeichnen wollen. Leider – Corona bedingt, war das in 2020 nicht möglich. Umso mehr freuen sich die Musiker/innen, dass sie in diesem Jahr die zwei gemeinsam mit noch anderen Musiker/innen für viele Jahre aktives Musizieren auszeichnen können. Bedingt durch die Pandemie wurde die Feier einmal anders gestaltet. Der MV ehrte seine Musiker/innen für langjähriges aktive musizieren im Rahmen des Kirchweihfestes in Schönberg.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Ehrungen wurden durch den Ehrungsbeauftragten des Kreismusikverbandes Josef Görg-Reifenberg vorgenommen. Jede/r geehrte bekam eine Anstecknadel und eine Urkunde zu dem Jubiläum überreicht. Begonnen wurden die Ehrungen mit Hannah Marie Becher, die seit 10 Jahren in dem Orchester auf dem F-Horn mitspielt. Für 20 Jahre wurde Andrea Leukel (Klarinette), Simon Müller (Percussions) und Thomas Wagner (Tenorhorn /Tenorsaxophon) geehrt. Für 30 Jahre wurde Patricia Becher (Klarinette) ausgezeichnet. Nach diesen „kleineren Jubiläen“ kamen die „großen Jubiläen“ an die Reihe, wobei der Werdegang jedes einzelnen in unterhaltsamer und humorvoller Weise von Hans-Werner Krämer als Laudator vorgetragen wurde.

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Berthold Heidrich (zweiter v.r.) wurde für 50 Jahre ausgezeichnet. Berthold Heidrich ist Trompeter/Flügelhornist und temporär auch als Schlagzeuger in den Reihen aktiv. Berthold wurde zuerst am Klavier ausgebildet. Nach einer Zeit an den Tasten interessierte er sich mehr für Blasinstrumente und bekam eine Ausbildung an der Trompete bei keinem geringeren als dem jetzigen Ehrenvorsitzenden „März“ Erwin Henrich. Als junger Bursche musste er, wie fast alle in dieser Zeit, zu Beginn der Probe mit einem Hut durch die Runde gehen und Geld für einen Liter Wacholder sammeln. Danach durfte er oder einer der anderen Jungmusiker jedem Musiker aus der Flasche Schnaps einen ausschenken – getrunken wurde aus einem (!) Glas! Heute wären dem MV zwei Wochen Skandalreportagen zur besten Sendezeit gewiss! Aber um es kurz zu machen, es hat bei niemand einen Schaden hinterlassen oder Alkoholsucht ausgelöst. Berthold war viele Jahre im Vorstand (01.01.1996 – 31.12.2011 Schriftführer) und hat nicht nur durch die Vorstandsarbeit den Verein maßgeblich mitgeprägt. Das legendäre Vereinsjubiläums 2005 zur 75 Jahrfeier des MV hat Berthold maßgeblich mit geplant und durchgeführt. Bei Vereinsausflügen hat er immer einen besonderen Gag auf Lager. U.a. begeisterte er nicht nur die Jugend auf dem letzten Ausflug mit dem Lied: „Im Tale wo’s Blümelein blüht…“ oder ein paar Tage schon her, begeisterte er einen ganzen Saal mit dem Propeller- Spiel „Huja“! Symptomatisch für ihn: vor einem Jahr bei dem Auftritt des MV „Eröffnung Steig-Alm-Hotel“ brillierte Berthold zum Schluss des 3,5 h Auftritts weithin sicht- und hörbar als Solotrompeter vom Balkon der „Steig-Alm“ mit der Einleitung des „Steigermarsches“.

Hans-Peter Sill (erster v.r.) wurde ebenfalls für 50 Jahre geehrt: Peter Sill ist Klarinettist im MV und hat sein Instrument bei Eberhard Türk und bei Arthur Schlächter gelernt. In Bellingen war Peter Gründungsmitglied des MV Bellingen und seit 1974 ist er durch den damaligen Dirigenten „Becher Jupp“ auch im MV Nhst-Schbg. aktiv. Nach seiner Heirat, die ihn auf die „Üwerbach“ nach Pfuhl führte, spielte er dann nur noch in Neuhochstein-Schönberg mit. Bei unzähligen Auftritten und Proben ist er immer mit großem Engagement angereist und hat sein Können unter Beweis gestellt. Außerdem konnte er bei Diskussionen und Gesprächen häufig neue Ideen und Denkanstöße in die Runde bringen, was für die Vereinsarbeit wichtig ist. Immer wieder super, seine Fähigkeiten als Stimmungskanone und Entertainer bei Karnevalszügen und bei Frühschoppen. Einmal in Fahrt, geht die Post ab und keiner kann ihn stoppen. Bei Festen und Konzerten, die der Verein organisierte, ist er immer eine helfende Hand. So fungierte er als Bühnenbauer der musikalischen Früherziehung und Flötengruppe, für die er notwendige Bühnenaufbauten im Rahmen der Auftritte bei den Konzerten fertigte. Allen noch in Erinnerung sind die tollen maßstäblichen, detaillierten Raketen, die er für das Abschiedskonzert von dem ehemaligen Dirigenten Marc Leonardi baute.

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Erwin Henrich für 65 Jahre vom Verein geehrt: Erwin begann seine musikalische Karriere als „klaaner Bow“ mit 11 Jahren 1952. Zwei Jahre lernte er das Spiel auf der Zither bei Gerhard Siefert. 1954 ging er bei seinem Vater „März“ Alfons in die Ternorhornlehre. Da Alfons lange Jahre erster Vorsitzender des MV war, freute Erwin sich schon als Jugendlicher darauf, dieses Amt ebenfalls einmal mit Bravur zu meistern. Erwin ist verdientermaßen seit 1998 Ehrenvorsitzender des MV. Seine Vorstandsarbeit begann Erwin zu Beginn des Jahres 1962 als zweiter Vorsitzender. Diese Tätigkeit beendete er im Geschäftsjahr 1975 – um ab dem neuen Geschäftsjahr 1976 bis Ende 1996 als erster Vorsitzender die Geschicke des Vereins zu lenken. In dieser Zeit hatte der Verein mehrere Vereinsausflüge, die heute noch als Referenzwert für Vereinsausflüge weltweit gelten. Als Beispiel heute noch unvergessen die Reise nach Berwang/Tirol mit der unglaublichen Wallfahrt im Starkregen und den 14 Stationen des Kreuzweges mit Altären! Außerdem 1980 das große Musikfest zum 50. Geburtstag des MV. Nicht nur, dass aus dem ganzen Westerwald die Musikvereine zum großen Umzug und dem anschließenden Freundschaftspielen nach Schönberg gekommen sind. Nein, an dem Sonntag war außerdem der Radiosender RTL in Schönberg mit zahlreichen international bekannten Stargästen und der damals bundesweit beliebtesten und meistgehörten Radiosendung „12 Uhr Mittags“. Das sehr große Zelt war zum bersten gefüllt und ganz Deutschland hörte der Sendung aus Schönberg zu. Was für eine Arbeit und Organisation im Vorfeld, Anspannung und Stress während der Festtage, Erleichterung und Zufriedenheit in den Tagen und Wochen danach. Toller Nebeneffekt, die Kasse war quasi am Überlaufen – was eine gute Vereinsarbeit für die nächsten Jahre und Jahrzehnte garantierte. Außerdem unvergessen, die sagenhafte Ansprache, die Erwin sich zu seinem 60. Geburtstag auf der Treppe des DGH selbst gehalten hatte, vor allem der Teil über das Dilemma eines Musikers und Sängers bei gemeinsamen Auftritten. Auch wenn es nicht immer einfach war, Musiker und Sänger zu sein, so kann Erwin sich trotz seiner Bescheidenheit mit Stolz „Meistersänger“ nennen, da er mit dem MGV Neuhochstein mehrmals den Titel „Meisterchor“ errungen hat. Musikalisch besonders bemerkenswert ist der grandiose Ansatz, bei dem niemals ein 80 jähriger am Tenorhorn vermutet würde.

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Als Abschluss der Ehrungen wurde Kilian Becher die Verdienstmedaille des Landesmusikverbandes verliehen. Außerdem spielt Kilian Becher seit 70 Jahren in dem Orchester mit und seit 60 Jahren ist er der Organist der Gemeinde. Die ersten musikalischen Schritte konnte Kilian kurz nach Kriegsende im Elternhaus am Harmonium und Klavier unternehmen. Gelehrt von dem Düsseldorfer Musikdezernent Professor Leven, der, ausgebombt bei den Eltern Veronika und Peter Becher untergebracht war. Als Jugendlicher begann er gemeinsam mit „Bernhards Langer“ Gerhard Henn (Posaune), Clemens Henn (Tenorhorn), „Girrore“ Alfons Becher (Trompete) und er selbst auch auf der Trompete im „Freestyle“ ohne Noten, ohne Dirigent Volkslieder nach Gehör zu spielen. Außerdem begann Kilian als 13 jähriger das Orgelspiel in Schönberg auf der Kirchenorgel. Mit 14 Jahren spielte er die ersten Andachten. Als er 18 Jahre alt war, bekam er bei Kirchenmusikdirektor Arnold Freistühler bis zur Organistenprüfung 1961 Unterricht auf der Kirchenorgel in Wirges. Seit 1961 – also 60 Jahre- ist er der Organist von Schönberg und übt nach wie vor jeden Tag auf der Orgel. Im MV spielte Kilian zunächst die Trompete und wechselte dann auf Tenorhorn, bzw. da der Bedarf es verlangte auf Posaune. Er bildete einige Nachwuchsmusiker auf Klavier, Trompete, Tenorhorn und Posaune aus. Außerdem waren seine beiden Töchter die ersten weiblichen Mitglieder im MV in einer vorher ausschließlich männlich besetzten Domäne. Dadurch wurde die Tür für Musikerinnen geöffnet. Heute ist ca. die Hälfte der Aktiven weiblichen Geschlechts im Orchester und ohne die Damen wäre der Verein in dieser Form vermutlich nicht lebensfähig. Besonders erfreut ist Kilian, dass 7 seiner 9 Enkel aktiv im Orchester mitspielen. Kilian wurde 1973 zum ersten Kassierer gewählt und hatte dieses wichtige Vorstandsamt 25 Jahre inne. Ebenso wie Erwin Henrich war er bei dem großen Musikfest 1980 mit einer der Organisatoren und Verantwortlichen. Nicht nur aus dieser Tatsache heraus wurde er 2011 zum Ehrenmitglied des MV ernannt. Ebenso wie bei Erwin ist man immer wieder erstaunt, mit welchem starken Ansatz das Instrument noch gespielt wird. Und da er nicht als „Maskottchen“ zu den Auftritten mitfahren möchte, ist der Ehrgeiz des 84 jährigen noch so groß, dass er fast täglich übt.

Vielen Dank allen vom ganzen Orchester. Solche Koryphäen sind wichtige Vorbilder für einen Verein, die ihre Talente einsetzen und ihr Sache gut, zuverlässig und kontinuierlich machen. Eines haben die vier gemeinsam, sie wollten keinen großen Bahnhof für ihr Jubiläum – aber diesen kleinen Bahnhof ist der MV ihnen schuldig. Der MV Neuhochstein-Schönberg ist in diesem Jahr 91 Jahre alt geworden. Ein 91. Geburtstag wäre ohne solche Charaktere und Aktiven sicherlich nicht möglich.